Bis zu diesem Zeitpunkt (Disco to go), war Disco qualitativ hochwertige schwarze Dance-Musik. Doch es begannen Nachahmer mit Hi-Hat-Drums, rauschende Streicherarrangements und eigenen Texten den Stil zu prägen und diesen neuen Stil negativ als “Disco” festzusetzen. So wurde Disco zu einer völlig neuen Musikrichtung, mit schlechterer Qualität als voher.
Schwarze Musiker, die vorher positiv zur Disco eingestellt waren, wurden entweder von den Produzenten und Labelmanager genötigt, um Disco-M,usik zu machen oder machten sich selbstständig um mit Disco Geld zu verdienen. So kam es sogar zu einigen Riesenhits wie “Disco Lady” (Johnnie Taylor), “Shake Your Groove Thing” (Peaches & Herb) oder “Love Hangover” (Diana Ross). Zu den scheusslichsten Lieder der Disco-Periode gehören Aretha Franklins mit “La Diva” und das “Everybody Up” der Ohio Players, welche vom Disco-Star Van McCoy produziert wurden. Diese Platten wirkten sich negativ auf das Image der gesamten schwarzen Popmusik aus.
Die Ablehnung hörte man aus der Parole “Disco sucks” heraus. Zwar hiess es, dass mit der Disco schwarze Musiker eine grössere Hörerschaft erreichen und leichter Karriere machen können, aber einen Blick in die Charts zeigt, dass genau das Gegenteil der Fall war. Zu Glanzzeiten der Disco wurde somit immer weniger schwarze Musik gespielt.
In den siebziger Jahren wurde ein kleines Gerät erfunden, der “Mixer”. Dieses Gerät erlaubte den Club-DJs flüssig von einem Plattenteller auf einen anderen überzugehen und so eine Party in einem nahtlosen Soundfluss zu halten. Die Disco hatte ihren Aufschwung 1975 und basierte auf dieser Erfindung. Livebands stiessen damals auf immer weniger Interesse und bekamen immer weniger Engagement, viele gaben sogar ganz auf. Der Club-DJ wurde dafür zu Kultfigur.
Als auch eine neue Art de Auflegens entstand, bei welcher DJs anfingen verschiedene Platten miteinander zu mixen, begannen Labels diese Mixes aufzunehmen und zu pressen. Larry Levan, Tom Moulton und andere DJ-Stars waren Garanten für den Verkauf einer Platte, nicht anders als es sich mit dem Puff Daddy - Mix in den Neunzigern verhielt. Von da an verwendete man den Begriff “Disco” sowohl für die Clubs als auch für die Musik.
Sehr wichtig war die Einführung des “jamaikanischen Soundsystems” in den Partymix der Stadt. Diese DJs aus Jamaika hatten eigene Varianten von Mischpulten und veranstalteten schon in den sechziger Jahren so genannte “Back-a-Yard”-Partys, bei denen Drum und Bass wie Presslufthammer dröhnten. Diese mobilen DJs schnitten einfach die Melodie weg, um dem tiefen, dunklen Groove der Reggea-Musik mehr Raum zu geben. Bei grassgeschwängerten Zusammenkünften erzeugten DJs wie King Tubby, Prince Buster und Duke Reid mir ihren Soundmaschinen wuchtige, grollende Klänge, die ihnen einen Kultstatus verlieh.
Auf einmal reichten harte Bässe nicht mehr aus, da fingen DJs an zu “toasten”, ins Mikrofon zu sprechen und ihre Heldentaten zu erzählen. Einer dieser “toasting DJs” landete in Jamaika sogar einen Nummereins-Hit, U-Roy mit “Wear You To The Ball”. Aber zu dieser Zeit erkannte noch niemand den Zusammenhang zwischen der Kunst des Mixens und der smoothen Sounds, auf denen Disco basierte, und dem unterirdischen Sturmangriff des Reggae-Soundsystems.
Disco-Mix, Dub-Sound, und Toasting machten die Technik und das Gefühl des HipHop aus.
Ich werde Regelmässig mehr von meinem Wissen über die HipHop-Geschichte preisgeben. Damit alle Fragen, Kritiken und Gerüchte aufgedekt werden. Ich denke, dass dies auch für Personen, welche sich nicht für den HipHop begeistern, interessant ist.
Drogen und Basketball spielten für den HipHop eine wichtige Rolle. Das HipHop unter der Regierung Reagan entstand und das Rap aus der selben Stärke und Lebensenergie hervorging, die durch Crack vernichtet wurde, ist kein Zufall. Dealer verkauften Ihren Stoff vor allem in der Nähe von Basketballplätzen, der Ort, an dem folgende Lebensträume hochfliegen: berühmt werden, das grosse Geld machen und seinen eigenen Stil entwickeln.
Es heisst immer wieder, dass Basketball viel mit HipHop gemeinsam hat und das Basketball sehr wichtig für den HipHop sei. Das komt daher, dass die Musik und der afroamerikanische Sport zusammen gehört, seit Louis Armstrong ein Baseballteam sponserte. Er kam immer sehr schick und edel gekleidet an die Spiele seiner Mannschaft. Genauso wie es sich auch bei Basketballspielen und Boxkämpfen gehört. Bei diesen Sportarten traf man immer sehr viel schwarze Prominente an, welche die heftige Kritik der Weissen, die Bewunderung der Schwarzen und der plötzliche Geldsegen mit all seinen Konsequenzen verbindet.
Beim Basketball ging es nicht nur darum um zu gewinnen, sondern um mit Stil den Sieg zu erringen. Die rauschende Poesie der Bühne und Dancefloors hat ihre Parallele in der fantastischen Beinarbeit der afroamerikanischen Sportler. Die Tatsache, dass Basketball ein Spiel ist, das innerhalb des Mannschaftskonzepts genügend Freiraum für individuelle Ausdrucksmöglichketien bietet, ist ein Hauptgrund, dass es zu einer der wichtigsten Plattform für den afroamerikanischen Stil und so auch für den HipHop wurde.
Auf wunsch von dnz9r ein Beispiel für einen Spielzug mit Stil.
In den typischen Sommerwochenenden der dreissiger Jahre fand im Süden der USA ein nächtlicher Boxkampf, der “Battle Royal” statt. In diesen Käpfen verbanden sich zwei junge “Farbige” die Augen, um blind gegeneinander zu kämpfen. Es gab nur eine Regel, kräftig zuzuschlagen. Derjenige, welcher am längsten auf den Beinen stand, bekam ein minimales Preisgeld. Dieser Kampf war für weisse männliche Zuschauer bloss ein Auftakt zu langen Partynächten.
Im HipHop gibt es Zeiten, an denen er an ein Battle Royal erinnert. Nämlich dann, wenn Rapper in den Ring steigen, um verbal, emotional und auch physisch aufeinander einzuprügeln, zum Vergnügen eines Publikums.
Wir können Dankbar sein, dass wir nicht mehr in den dreissigern Leben. Diese Wettkämpfe waren für die Entwicklung zwar sehr wichtig, aber die Erscheinungsform von HipHop ist zu vielfälltig und nicht selten wiedersprüchlich, um sie in deiner einzigen Metapher abzubilden.
Wer etwas über die Geschichte des HipHop erfahren möchte, sollte das Buch XXX- Drei Jahrzehnte HipHop von Nelson George lesen. Es beinhaltet alles über HipHop, von der Entstehung bis heute. Ich selbst habe dieses Buch schon gelesen und meine IDPA (Interdisziplinäre Projektarbeit) darüber geschrieben. Das Interessante an diesem Buch ist, dass der Autor die Geschichte nicht nur miterlebt, sondern auch, mit seinen Gesangskünsten, mitgewirkt. Es werden nicht nur die positiven Dinge von HipHop erläutert, sondern auch negative Ansichten werden erwähnt. So kann der Eine oder Andere vielleicht Kritiken eher verstehen.