Dilated Peoples
Dezember 10th, 2008 by Rob-E
Die Unkenrufe werden wohl niemals verstummen. Besonders Freunde der Old School werden nicht müde zu betonen: Um den amerikanischen Hip Hop steht es schlecht. Doch wo es Schatten gibt, muss auch ein Licht scheinen. Am Ende des Jahrtausends werden zwischen denen, die gemeinhin als die Retter des Genres gehandelt werden, neben den Jurassic 5, Tha Liks, Defari oder Ugly Duckling auch immer wieder die Dilated Peoples genannt.
Produzent und MC Evidence, Rapper Rakaa Iriscience und DJ Babu aus dem sonnigen Kalifornien verzichten auf verstaubte G-Funk-Klischees. Statt dessen werfen sie frische Beats und Raps in die Runde und klingen dabei mehr nach East Coast als so mancher Act aus New York, obwohl das Trio dem Underground Los Angeles’ entstammt. Abseits von Dr. Dre, Snoop Dogg und Konsorten bildete sich dort eine Hip Hop-Szene heraus, die die besten Eigenschaften beider Küsten in sich vereint: Das lockere Lebensgefühl des Westens trifft auf die typischerweise deepen Beats aus dem Osten.
Bei einer Freestyle-Session im Hip Hop-Shop trifft man 1992 auf Beat Junkies-DJ Babu. Mit ersten gemeinsamen Aufnahmen legen sie den Grundstein zu einer Fanbase, die die Grenzen ihrer Heimatstadt bald sprengen soll.
Das Blatt wendet sich erst mit dem Wechsel zu Defaris ABB Records: Das Independent-Label mit Sitz in Oakland erweist sich für die Dilated Peoples als wahrer Glücksgriff: Plötzlich veröffentlichen sie Singles am laufenden Band. Mit “Work The Angles” landen sie 1998 einen Untergrund-Hit, der gerade in Europa massive Beachtung erfährt. Es folgen Gastauftritte bei den Swollen Members, High & Mighty, The Alchemist und zahlreichen anderen. Nur ein Jahr später dann der Wechsel zum Major.
“The Platform” zieht weite Kreise. Evidence produziert plötzlich für Rasco, Aceyalone, Defari, Xzibit sowie Redman, Iri kommt auf der “Troubleshooter”-LP der Funkdoobiest zu Wort. Die Dilated Peoples steuern jeweils einen Song zu “DJ Muggs Presents Soul Assassins II” und “Lyricist Lounge II” bei. Danach begeben sie sich auf eine längst fällige und entsprechend umjubelte Europatour.
Das Jahr 2001 beginnt mit ordentlich Ärger. Evidence stellt sich im Kampf der weißen Rap-Gockel hinter Everlast und produziert für den ehemaligen Frontmann von House Of Pain sogar einen Diss-Track. Dafür bekommt er von Eminem verbal ordentlich eine eingeschenkt. Evidence revanchiert sich mit seinem Solo-Track “Searching For Bobby Fisher”, in dem er Mr. Mathers auch nicht gerade zimperlich anfasst. Beide Parteien erweisen sich letztlich aber als doch dem Sandkastenalter entwachsen, zeigen Größe und schließen Waffenstillstand.
Die Dilated Peoples haben schließlich anderes zu tun. Das zweite Album “Expansion Team” liegt bereits fertig vor, als die Terroranschläge vom 11. September die Welt erschüttern. Album-Cover und Video-Clip zu “Worst Comes To Worst” (der Singleauskopplung, die sich eines zauberhaften Samples aus William Bells nicht weniger zauberhaften “I Forgot To Be Your Lover” bedient) werden zurückgezogen. Abbildungen von Zielscheiben im Zusammenhang mit dem World Trade Center erscheinen in Zeiten wie diesen wenig angebracht.
Danach herrscht einige Jahre relative Stille um die Crew. Mit Ausnahme DJ Babus, der mit seinem Alleingang “Duck Seazon” in Erscheinung tritt, bleibt es weitgehend ruhig. Es wird April 2004, bis sie mit “Neighboorhood Watch” ein weiteres Album vorlegen. “I don’t train for sprints / I train for marathon”, heißt es da, und wie beim Marathon gewinnt der, der den lägsten Atem beweist
Ihre neu gewonnene Freiheit feiern sie mit der Veröffentlichung ihrer DVD “The Release Party”, die die Geschichte des Trios detailreich erzählt. Den musikalischen Befreiungsschlag macht Evidence bereits einige Monate zuvor auf seinem Solo-Album “The Weatherman”, das wie zum Karrierebeginn auf dem Indielabel ABB Records erscheint. DJ Babu dritter Teil seiner “Duck Season”-Reihe soll im laufenden Jahr folgen, genau wie Rakaas Solodebüt. [laut.de]
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Dezember 29th, 2008 at 05:49
Is there any information about this subject in other languages?
Januar 24th, 2011 at 13:09
I looked it up, but didnt found any other languages. sorry
Oder hab ich was übersehen? Vllt. findet ja jemand anderes etwas!
Februar 18th, 2011 at 14:28
Was? Amerikanischer Hip Hop ist noch lange nicht ausgestorben! Ich finde sogar, dass er immer mehr Fans findet, weil so große Stars wie Eminem, 50 Cent die Sezne berühmt gemacht haben.
“The Release Party” muss ich übrigens noch kaufen, habe nur mal kurz reingeschaut…Hammer schlecht hin.